„Perverse nach Berlin“

Wie Spiegel online berichtet stellten sich der ersten „Euro Pride“ in einem ehemaligen RGW Land die typischen Folgen der Konterrevolution entgegen.

Aber auch in der B“R“D ist Diskriminierung immer noch ein weitgehend tabuisiertes Thema.

In Warschau haben Homosexuelle aus ganz Europa in einem bunten Umzug für mehr Gleichberechtigung demonstriert. Rechtsradikale und ultrakonservative Christen versuchten, den Zug zu stoppen. Auch in Frankfurt kamen Zehntausende Schwule und Lesben zusammen.

Warschau/Frankfurt am Main – Es war ein Wagnis: Zum ersten Mal zog am Samstag die „EuroPride“ durch einen ehemaligen Ostblockstaat. Zehntausende Schwule und Lesben kamen nach Warschau, um für Gleichberechtigung und Akzeptanz zu demonstrieren. Den Demonstranten schlug teilweise blanker Hass entgegen. National-katholische Kräfte beklagten einen „Sittenverfall“. Rechtsradikale randalierten, bewarfen Teilnehmer mit Eiern und Flaschen und versuchten, den Umzug zu stoppen. 2000 Polizisten begleiteten die Veranstaltung, einer wurde bei Auseinandersetzungen verletzt. Acht Menschen wurden festgenommen.

Bislang kam es zu grotesken Szenen: Vertreter der Bewegung für Polens Souveränität protestierten mit Christus-Bildern und Kreuzen gegen „Euro-Sodomie“. Ihr Chef, Slawomir Andrzej Zakrzewski, bespritzte Paradeteilnehmer mit Weihwasser. „Kommt zur Vernunft, es ist nicht zu spät“, rief er immer wieder.

Zur EuroPride in Zürich waren im vergangenen Jahr 50.000 Menschen gekommen – im Vergleich dazu war die Warschauer Parade merklich kleiner. Doch die Teilnehmer, die gekommen waren, ließen sich von den Gegendemonstranten nicht irritieren. Mit Dutzenden Wagen startete sie am Nachmittag in der Nähe des Warschauer Rathauses. Tomasz Baczkowski von der Stiftung „Gleichheit“ und der Abgeordnete des Demokratischen Linksbündnisses (SLD), Ryszard Kalisz, durchschnitten den regenbogenfarbigen Band und gaben damit das Startzeichen.

Begleitet von lauter Musik zogen anschließend bunt gekleidete Menschen bei Temperaturen von mehr als 35 Grad zum mehrere Kilometer entfernten Verfassungsplatz. Unter den Teilnehmern waren der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck und der konservative Polizei-Minister aus Großbritannien, Nick Herbert. Auch eine Abordnung der SPD aus Berlin-Pankow war anwesend.

Die Teilnehmer forderten vor allem die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Außer der Linken ist in Polen keine politische Kraft zu Zugeständnissen in dieser Frage bereit.

50.000 Teilnehmer beim CSD in Frankfurt

Demonstrationen gegen EuroPride hatte es bereits am Vormittag gegeben. Mehrere hundert Mitglieder rechtsradikaler und nationalistischer Organisationen marschierten durch das Zentrum Warschaus. Unterwegs skandierten sie Parolen wie „Gott, Ehre, Vaterland“ und „Unser Ziel ist ein großes Polen“. Auf Transparenten stand unter anderem „Perverse nach Berlin“. Starke Polizeikräfte begleiteten die Demonstranten.

Sehr viel friedlicher ging es in Frankfurt zu: Rund 50.000 Menschen feierten dort den diesjährigen Christopher Street Day (CSD). Die Demoparade zog durch die Innenstadt, um für mehr Toleranz gegenüber Schwulen, Lesben und anderen „queeren“ Lebensweisen zu demonstrieren.

30 geschmückte Lastwagen, 15 Autos und unzählige Fußgruppen waren mit dabei. Die Zuschauer und Teilnehmer – darunter ebenso Drag-Queens wie junge Leute in Jeans und T-Shirt – ließen sich auch nicht vom regnerischen Sommerwetter die Laune verderben. Vor dem Römer wurden mehrere Regenbogenflaggen gehisst. Nach Berlin, Köln und Hamburg zählt der Frankfurter CSD in Deutschland zu den wichtigsten. Und gilt als einer der politischsten.

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